Das Jubiläumstriptychon des Passionistenordens

                                                                                                                                                                                 Das Wort Triptychon (gr.)  bedeutet dreigefaltenes / dreigeteiltes  Bild  und wird  ausschließlich für religiöse Bilder (Ikonen)  benützt.  Darin  verbirgt  sich die Trinität,  die dreifaltige Natur Gottes, Gott Vater, Gott  Sohn und  Gott Heiliger Geist,  Eins in Drei  und zugleich  Drei in Einem.  Der  überall  seiende aber materiell nicht  wahrnehmbare Gott,  der  inkarnierte  und daher  wahrnehmbare Gott in Christus  und der Geist,  die  Verbindung zwischen  Gott und der Seele  im Menschen.  Der Mensch als Gottes  Spiegelbild, oder „Mikrogott“ birgt in sich ebenfalls eine Trinität: Körper, das materielle Körperkleid oder  Fahrzeug der Seele,  das  Bewusstsein  oder  die von den  Gedanken  gesteuerte  Aufmerksamkeit,  und  der  Verstand (Logos),welche beide verbindet. Sowohl diese Welt als auch der Körper sind eine materielle Reflexion der geistigen Welt  (des Paradieses)  und des  geistigen  Körpers  und ist weder  unsere  wahre  Heimat noch

unser wahrer Körper. Sie ist ein Exil-Ort ein Gefängnis in dem wir von Gott,wegen unseres Ungehorsams, verbannt wurden. Sie sind verglichen mit dem Paradies  veränderlich,  grob und primitiv  wo das Negative, Unglück und Krankheit,  Leid  und Tod  überwiegt.  Ein Christus  zugeschriebener Spruch aus dem Orient lautet:  „Die Welt ist  eine Brücke,  gehe hinüber   und  baue  kein Haus darauf“.  Im  Laufe  des unendlich langen  Aufenthaltes  auf dieser  „Brücke“  die wir doch  zur Heimat  gemacht haben, befindet sich  unsere Seele in einem  Dämmerzustand  und hat  die Erinnerung an ihrer  himmlischen Heimat  verloren.  Heilige sind jene  begnadeten Menschen,  welche die Illusion dieser Welt erkannt haben und darunter leiden.  Die Schmerzen der Trennung von Gott und der glückseligen Heimat ist so unerträglich geworden,  dass ihnen der Aufenthalt in dieser fremden Welt zur Qual geworden ist.                                   

Das Aufheben der irdischen Trinität ist die Voraussetzung  für das Aufheben der himmlischen Trinität. Das erste wird erreicht,  wenn unsere Gedanken,  Worte und Taten übereinstimmen,  und wir zur einen Einheit mit uns  selber  verschmelzen.  Das zweite  wird erreicht  indem wir unsere  Einheit,  in die  Einheit Christi verlieren,  und zur Einheit mit dem Vater verschmelzen. In diesem Sinne ist jeder Mensch  ein potenzieller Heiliger, in welchem Grade auch immer, weil jeder Mensch den Keim der Heiligkeit in sich trägt.                  Geschlossen  bildet  die  Ikone als Monoptychon eine Einheit und aufgefaltet als Triptychon, eine Dreiheit.

 

 

Der Geist der Passionisten

 

      Die ständige  Erinnerung an Christi Leiden  führt  unweigerlich  zur Kontemplation  und Sammlung der Gedanken, so sehr bis kein Gedanke außer der an Christus bleibt. Ist diese „Gedankenleere“ erreicht und die Gegenwart  Christi sichtbar  geworden,  verlässt die Seele,  ähnlich dem Tod,  das Körperbewusstsein und geht in der Theoria  (Gottesschau) auf. „Ich sterbe täglich“, nach Paulus.  Es ist jener Zustand  der als himmlische oder  mystische  Ehe bezeichnet wird. Das ganze Leben und der  Alltag ist Gott geweiht, denn nichts gehört uns.  Der Körper ist  der Tempel Gottes  und alle  Tätigkeiten werden,  vom ständigen Gebet begleitet,  zum  Gottesdienst.  Diese  vollkommene  Identifizierung  mit Christi  Leiden  kann  zu  Stigmata (Wundmale) führen  wie bei der  hl.Theresa  Neumann , dem hl. Franz von Assisi,  dem hl. Pater Pio  oder der hl. Gemma.  Als Gottes  Ebenbild, aber von ihrer Göttlichkeit getrennt  wird die Seele (der Mensch)  in dieser Welt,  nach Hl Augustinus,  immer  unglücklich  sein.  Das ist die Ursache für alles  Leiden in dieser Welt  und der  Glaube ist der Weg  zur Erlösung.  Dieses  Verlangen  brennt  in jedem  Menschen  wie ein Feuer, von kaum  wahrnehmbaren  Funken wie bei Atheisten  oder Agnostikern, bis zum lodernden Feuer wie  bei  den  Heiligen.  Nicht  alle  Volksschüler  werden  Akademiker und  nicht alle  Akademiker werden Doktoren: „Im Hause meines Vaters  gibt es  viele Wohnungen“ (Joh 14, 2).  Das ist  bei  den Altvätern die Wurzel der Sünde. Alles was nicht Gott geweiht ist, ob Denken, Sprechen und Handeln, was nicht von der Liebe zu Gott durchdrungen ist, ist Sünde. Jemand  der zeitlebens in einer Höhle lebt und  seine Sehorga-ne der  Dunkelheit  angepasst hat,  kann sich  das Licht  der Sonne  draußen  nicht vorstellen. Je näher er aber dem Ausgang kommt, desto  stärker wird das Licht. Christus ist in diese dunkle Welt herabgestiegen, um jene die nach dem  wahren Licht verlangen hinaus zu führen. „Ich bin das Licht der Welt, wer mir folgt, der wird nicht wandern  in der Finsternis“; aber „Das Licht kam  in die Finsternis und  die Finsternis hat es nicht  begriffen". Wie  in  der  Legende  der Kinder, welche  in den  dunklen Labyrinthen, vom  Minotaurus-Ungeheuer,  halb  Mensch  halb  Tier,  gefangen  gehalten  werden. Vom  tiefen  Mitleid erfüllt,  stieg eines Tages in diese dunkle Welt der junge Prinz Theseus,  bezwingt  das Ungeheuer und führt die Gefangenen in ihre wahre  Heimat,  nach Athen, hinaus.  „Denkt  nicht ich sei  gekommen  um Frieden auf die Erde  zu bringen, ich bin nicht gekommen  um Frieden zu bringen, sondern  das Schwert, denn  ich  bin gekommen um den Sohn  mit seinem Vater  zu entzweien  und die Tochter  mit ihrer Mutter.“ Christus ist nicht gekom-men um das Paradies  auf Erde zu bringen, sondern uns von  dieser Erdengefängnis  ins Paradies zurück zu holen. Heilige  sind jene wenigen, die Christus nicht nachlaufen und "Herr, Herr" rufen, sondern ihm ins Paradies folgen. Sie leiden nicht nur, weil sie fern des Paradieses sind, sondern für Christus der um sie zu retten so viel Leid auf sich genommen hat.

Die Kreuzigung Christi

                                                                                 

 Alles was  geschieht,  ist von Gott  seit Anbeginn der Zeiten geplant  und  gewollt.  Er  kennt Anfang und  Ende  aller Ge- schehnisse  bereits  vor  ihrer  Entstehung.  Gott durchdringt die gesamte Schöpfung und ist überall und  zu jeder Zeit all- gegenwärtig. Er kennt  also  jeden unserer  Gedanken lange bevor sie in uns aufstehen.  Der Glaube daran erfüllt uns mit Vertrauen und  Zuversicht,  dass alles was geschieht Gottes Wille ist,  weil er  das Wofür und  Warum kennt.  Alles hängt von Gott ab , alles  kommt  von Gott  und alles  ist in seinem Namen und von seiner Gnade durchdrungen.Niemand kann das Böse in der Welt als Gottes Absicht verstehen,die Über- zeugung  aber,  dass  alles  in  Gottes  Schöpfung  gut  sein muss, „Gott  sah,  dass es gut war“  gibt  uns  die Zuversicht ist,  dass Gottes Absicht nur gut sein muss, nur dass Gottes Mühlen mahlen langsam und auf einer Zeit hinaus,die nur er kennt.  Es  zu  verstehen   bedeutet, sich  selbst  als  Gottes Eigentum und Werkzeug zu betrachten.

 

Ganz oben  ist  die  segnende Hand  Gottes,  Zeichen, dass alles was in seinen Namen gemacht wird zum Segen für die ganze  Menschheit  gereicht. Er segnet  das Herzenssymbol der Passionisten, Zeichen,  Mahnmal  und ständiges  Denken für  die Liebe und das  Leiden Christi. Liebe und Leiden  sind  eine untrennbare  Einheit, wie die  zwei  Seiten einer Klinge und Voraussetzung  für das Heil. Das Herz steht  deswegen  oberhalb  des Kreuzes, und wird von  einem Oliven-  und einem Lorbeer-zweig, Zeichen der Hoffnung und der Lobpreisung Christi, wie eine liebende Hand behütet.  Es ist von der einen  goldenen Aura, Gottes ewiges Licht, umhüllt  und von Wolken  beschützt, damit das Geheimnis nur Eingeweihten enthüllt werde. Links und rechts steht Sonne und Mond, Licht und Finsternis, Gut und Böse, Leben und Tod. Die Sonne  blickt  ängstlich  und scheint  entsetzt  über  das  furchtbare  Ereignis zu  sein. Durch die  innewohnende  zentrifugale Bewegung  des Lichtes bemüht sie sich  die Distanz zu ihrer Licht-quelle  zu verkleinern. Der Mond andererseits,  als der dunkle Antipode  zum Licht, blickt  finster und halb-verschlafen und scheint über seinen Sieg zu triumphieren. Er wagt nicht  näher heran, denn er wird  durch die eigene zentripetale Bewegung  der Dunkelheit auf  Distanz gehalten.  Der gleiche Abstand  von Sonne und Mond zur Lichtquelle  weist auf die Entscheidungsfreiheit  des Menschen hin, sich dem Licht oder der Finsternis, dem  Guten oder dem Bösen  zuzuwenden.  Entsprechend  hell leuchtend  oder  dunkel  ist die Färbung  der Wolken.  Die beiden  Engel über  dem  Gekreuzigten heben flehend  ihre Hände zu Gott und bitten um sein  Erbarmen, obwohl sie seine Absicht kennen. Der linke Engel beschützt die Sonne, und der rechte  hindert die  Dunkelheit  sich auszubreiten. Aus dem  heiligen Geist, der das  Herzenssymbol  trägt, entspringt   das  reinigende  Wasser  der  Läuterung,  welches in  zweimal  neun  Kaskaden  hinab strömt. Während  sie  die  dunklen  Wolken  der  Finsternis  um  das  Feuer  der Sünde  löschen, schiebt  sich der senkrechte  Kreuzbalken  hinauf zum heiligen  Geist. Der ungleiche Abstand von Christi Armen am Kreuz, verstärkt das Gewicht des kraftlosen, nach unten hängenden Körpers, um die Dramatik des Leidens noch zu  steigern. So scheint  sich Christus in einem  stummen  inneren Dialog  mit seiner  mitleidenden Mutter  zu befinden, als wolle er sie trösten. Die hl. Maria streckt  ihren zarten  Körper  hinauf und  versucht  ihren Sohn in ihre Armen zu schließen, zögert aber, weil sie in den Plan Gottes nicht eingreifen will. Rechts vom Gekreuzigten steht der hl.Paul vom Kreuz, stellvertretend für den hl.Johannes. Der Lieblingsjünger Christi war der  einzige, der seinen Meister bis zum Tod begleitet hat.  Seine Körperhaltung zeigt tiefe Traurigkeit und Ohnmacht, aber zugleich seine demütige  Hingabe an den Willen Gottes. Über den beiden schweben die  klagenden  Engel,  die  nicht  glauben  können, was  mit  ihrem  Herrn  geschieht;  sie  stehen  für  die Ohnmacht und das  Unverständnis der Menschen. Das Kreuz durchbricht wie ein Feuerkeil die harte Erde (Symbol  für den  menschlichen  Körper, in dem  sich  Licht und  Dunkelheit , Gut und  Böse  im ständigen Kampf mit einander befinden) bis hinunter zur  Unterwelt, um die Seelen  die vom Dämon der Hölle gefan-gen gehalten werden  zu befreien. Das Blut Christi verbrennt wie  glühende Feuertropfen den Wächter der Unterwelt und zieht den Stachel des Todes für all jene, die gerettet werden wollen heraus.

Die Kreuzigung besteht aus zwei Dreiecken. Das Himmlische beginnend mit der segnenden Hand Gottes, breitet sich über in Sonne und Mond,  die Verlängerung  der beiden  Engeln hinab und ruht auf dem Quer-balken des Kreuzes. Das Irdische  beginnt vom Kopf Christi in der Mitte des Kreuzes, breitet sich über die klagenden  Engel, über die  Mutter Gottes und den hl. Paul  bis zur  Unterwelt.  Beide  Dreiecke werden in einer geraden Linie, beginnend von  der Hand Gottes, über den heiligen Geist, den senkrechten Kreuzbal-ken bis hinunter in die Unterwelt  miteinander verbunden. Gott ist der Herr  beider Welten und Christus die Leiter zwischen den beiden.                                                                   
 

                                                        

                                                                   Die Heiligen

 

 

 

Heiliger Paul vom Kreuz

 

Die  Kreuzigungsdarstellung ist dem Hl. Paul  vom Kreuz geweiht, dem Gründer des  Passionistenordens. Seine  mystische  Identifi-kation mit dem Leid des gekreuzigten Christus wurde zum Grund-pfeiler für die  Spiritualität der Passionisten. Die Vorstellung, dass Gott seinen eigenen Sohn geopfert hat um ihn von seinem selbst-verschuldeten  Leiden zu  befreien, war für ihn  unfassbar und un-begreifbar. Dass Christus solch entwürdigende Demütigungen auf sich genommen hat  und  zuließ wie  ein Verbrecher behandelt zu werden,erfüllte den Heiligen Paul mit Entsetzen über das Ausmaß der  Ungerechtigkeit. Ungerechtigkeit  nicht  allein  vom weltlichen Standpunkt  aus, sondern weil Christus stellvertretend für ihn sein Leben  hingegeben  hat. Der  Gedanke,  dass  Christus  für  seine Missetaten büßen musste war für ihn unannehmbar. Er fühlte sich so sehr in Christi Schuld, dass er von  nur einem Gedanken erfüllt war, sich mit Christus am  Kreuz  zu sein. Wie  ein  Dolchstich war diese  Vorstellung  in  seinem Herzen  eingedrungen, dass  es  zu dieser mystischen Vereinigung kam.

So stark war der Schmerz in seinem Herzen für das  Leiden, welches der unschuldige Christus für ihn den

Schuldigen  erdulden musste, dass er jede Freude an das Leben verlor. Wenn Christus einem Räuber die

Zusicherung  gab  mit Ihm im Paradies  zu sein, nur weil er bereut hatte, um wie viel grösser muss die Zu-sicherung an ihn, Paul  gewesen sein, ihm zu  erlauben neben ihm den Kreuzestod erleiden zu dürfen! So groß war sein bedingungsloses Aufgehen in das Leiden Christi, dass Christus, aus tiefstem  Mitleid für die Seelenpein  des Heiligen, nicht anders konnte als ihm die Gnade zu gewähren, sein eigenes Kreuz mit zu tragen. So mächtig war das Verlangen des hl.Paul, stellvertretend für Christus  leiden zu dürfen, dass sein Herz zu einem einzigen Stigma wurde. Das Leiden Christi wurde seine Nahrung, Brot und Wasser. Um an diesen Schmerzen stets erinnert zu werden, trug er in der Herzensgegend das schwarze Herzenssymbol der Passionisten mit der  Leidensreliquien Christi. Der Spruch, (für) Christus leiden, ist ein schweres Erbe, Versprechen und Lebensbegleiter des Ordens.

"Nicht ich, sondern Christus lebt  in mir". Das Verlangen  Christi  Leiden  mitzutragen, trieb  viele Frühchri-sten  freiwillig  in den Märtyrertod.  Für  Christus  zu leiden  bedeutet für die  ganze  Menschheit zu leiden.

Heilige zu  lieben  ist gleich  wie Christus  zu lieben, denn sie sind die  personifizierte  Liebe  Christi; denn nicht nur sie allein, sondern alle die ihnen zuwenden werden das Heil erlangen. 

Berührt  von  diesem  Geist und  der  metaphysischen  Tiefe, weihte  ich die  Kreuzigungsdarstellung dem

Hl. Paul vom Kreuz.

                       

Heilige Gemma Galgani                                                                              

  Die Liebe der Hl. Gemma zu Christus  war so groß, dass ihr das große  Geschenk zuteil  wurde, recht schnell  mit ihrem Geliebten vereint zu werden. Dafür musste  sie einen hohen Preis an physi-schen Krankheiten, begleitet mit Stigmata und seelischen Liebes-qualen  der  Trennung  bezahlen. Je  kostbarer  der  Gegenstand der  Liebe, desto größer  der Preis. Will  jemand etwas unbedingt zu eigen  machen, ist man  bereit alles, sogar  das eigene Leben  dafür zu Opfern. Mit ihren zum Gebet gefalteten  Händen, hält sie wie in einer Umarmung  den gekreuzigten  Christus und Lilienblu-men. Leid und Verlangen, Tod und Verklärung. So sehr  war in ihr die  Sehnsucht  nach  Christus, dass sie  sich ihm  durch das Ge-lübde der Keuschheit,körperlich, psychisch und seelisch, gänzlich hingegeben hat. Das  ist  was  man mit  „himmlische Ehe“ nennt,  oder nach  Paulus: “ Nicht ich, sondern Christus lebt in mir.“ Und:  „Ich spreche  nicht  von mir, sondern wie Gott es mir eingibt, das sage ich“. Es ist der Zustand wo der himmlische Eros  den irdischen so sehr übersteigt, dass alle körperli-chen/ materiellen Verlangen ihren Reiz gänzlich verlieren. Nach dem Philosophen Sokrates ist  der Körper die Leiter, worauf sich die Seele von dem animalischen hinauf zum göttlichen Eros steigen kann.Alle sinn-lichen Freuden  beginnen im Körper  und enden im Körper, ohne die Seele im Geringsten beteiligt zu sein. Die Freude des Geistes  jedoch  beginnt  im Körper  und  endet  im Gott  niemals. Zölibat  hat  mit Körper-feindlichkeit, Unterdrückung oder Askese nichts zu tun, es ist vielmehr die Verlagerung  des Liebesverlan-gens vom Körper auf den Geist. Die durch die Sinne  erzeugte Freude übt auf den Gott-Verliebten keinen Reiz mehr aus. Wenn  ein Kind erwachsen wird, findet es keinen  Gefallen daran  mit  Puppen zu  spielen. Gott lebt in uns,daher ist unser Körper Gottes Kirche und als Kirche soll er benützt und behandelt werden. Die Gebeine der Heiligen werden deshalb verehrt, weil sie durch den Körper geheiligt wurden. Reinheit ist demnach, wenn nichts anderes im Herzen Platz hat als nur die Liebe zu Gott. Wir gehen dorthin wo unser Herz hängt, woran wir denken und zu dem werden wir. 

Seliger Isidor De Loor                                                                                 

   Der selige Isidor litt so sehr unter der Last der Liebe zu Christus die, wie es meistens der Fall ist, mit körperlichen  Schmerzen ver-bunden war. Statt  wie bei normalen Gläubigen, Heilung  von Gott zu erbitten, betrachtete er dieses Leiden als ein Geschenk Christi  und das geringste was  er machen konnte, um Christi Leid zu mil-dern. Seine Schmerzen waren  Preis und Glück zugleich. Überall und zu jeder  Zeit sah  er den Gekreuzigten  vor sich  als der Leit-stern seiner Seele. Das Evangelium, Christi Leidensweg und Bot-schaft  war seine Nahrung aber auch sein Kreuz. Christi Lehre ist ein steiler, steiniger  und mit  Dornen übersäter Weg, während die Pforte eng und niedrig ist. Das Buch, die Lehre Christi  kann ohne die bedingungslose Liebe zu ihm nicht nachvollzogen werden. Sie übersteigt die schwache menschliche Natur,welche unter der Last der Leidenschaften nicht die Kraft hat, um der Sünde zu widerste-hen. Das Opfer der Selbstleugnung  ist jenseits der menschlichen Grenzen. Um diese  unüberwindlichen  Schwierigkeiten  aufzuheben, kam Christus und  der Weg dazu ist seine Liebe. Christus bietet  uns seine Liebe an, verlangt aber dafür unsere Liebe. Ihn  zu lieben bedeutet seine Gebote  halten. Wir können seine Gebote  nicht befolgen ohne seine  Liebe und um  seine Liebe zu gewinnen, müssen wir ihn lieben. Christus lieben bedeutet, stets an ihn und den  unsäglichen  Schmerzen die er für uns  erduldet hat  zu denken. Die ständige  Erinnerung über das  Leid Christi  in seinem Herzen, gab Sl. Isidor die Kraft, die Last des Kreuzes durch seine körperlichen Schmerzen und den frühen Tod zu tragen.

 

Heiliger Gabriel Possenti                                                                                                     

   Der heilige Gabriel, so wie der hl. Franziskus  und viele andere gehören  zu jenen  Heiligen, die den Ruf Gottes  nicht bei der Ge-burt  sondern  erst später, meistens  nach  einem Schockerlebnis, vernommen haben. Ihm wurde die Sinnlosigkeit und  Vergänglich-keit  dieser  Illusionswelt nach  schweren  physischen  Leiden und nach oftmaligen Marienmahnungen bewusst. Seitdem übergab er sich der  Muttergottes wie ein kleines Kind und überlies sich  ihrer grenzenlose  Fürsorge. Für die Gläubigen und noch  mehr für die Heiligen, geht die Liebe  zu Christus wesentlich  leichter über die  Verehrung der  Muttergottes. Als erste Bezugs-, Liebes- und Ver-trauensperson  des Kleinkindes  ist die Mutter  nachsichtiger und verständnisvoller mit all seinen Verfehlungen.  Mit der spirituellen Reife wächst  das Verlangen nach mehr Gnade von Gott so sehr, dass dieses nur durch Christi Aufforderung: “werdet  vollkommen gleich  wie der  Vater im  Himmel vollkommen ist“, möglich  ist. In diesem  Zustand ist  sogar die  geringste  Verfehlung eine Sünde.

 

Glaube und Tod  sind untrennbar  miteinander  verbunden; sich Gott zu  widmen bedeutet  für die Welt zu sterben. Daran  soll die schwarze  Ordenskleidung  erinnern. So  trägt  der Mensch  den  Tod in  sich  und wenn  das  Leben  nicht  von Gott  erfüllt ist,  ist der Mensch  tot. Das was lebt  ist die sterbliche Hülle, das materielle  Vehikel, welches  solange „lebt“  solange die Seele in ihm  eingesperrt ist.  Sobald die von Gott bestimmte  Aufenthaltszeit beendet ist, legt  die Seele diese materielle Kleid wieder ab, und kehrt zum Ort im Himmel  zurück, den  sie  bereits  auf  der  Erde  durch  ihre  Lebensweise  geschaffen  hat.  Nicht  der Mensch  hat  also  eine  Seele, sondern  die Seele hat einen Menschen, so wie nicht  das Haus  hat einen Menschen, sondern der Mensch hat ein Haus. In diesem Sinne stirbt beim Tod das. was ohnehin sterblich ist.

Der Heilige lebt in einem ständigen Dialog mit seinem eigenen Tod wie mit einem treuen Diener auf Erden den er zurücklassen  wird. Poetisch gesehen  sind Leben und Tod wie die zwei Seiten  einer Medaille, wie die Sonne, die auf der einen Seite der  Erde stirbt um auf der anderen  wieder geboren zu werden. Beides wird vom Geist Gottes, der Heiligen Schrift  getragen und bestimmt.  Der Heilige hat seinen Tod, der jeden Augenblick  eintreten  kann,  stets vor Augen. Er ist nicht  nur  bereit  zu  sterben,  sondern  kann  die  Zeit endlich „nach Hause“ zurück zu kehren, nicht erwarten. Er lebt jeden so Tag als wäre er sein letzter, denn sein Verlangen nach Gott ist so stark, dass er seinen Tod mit Freude erwartet. Er strebt deswegen danach  vor dem  Tod  zu  sterben; nach  Paulus: „Wenn du stirbst bevor du  stirbst, wirst du  nicht  sterben wenn du stirbst“.  Die Liebe  zu Gott ist stärker  als das Leben, daher stirbt er  täglich und  steigt mit Paulus  bis in den „dritten Himmel“.  Er hat vor dem Tod  keine Angst eher hat  er Mitleid mit ihm, denn nicht er wird sterben, sondern der Tod. Der Tod sieht auf den Heiligen mit angstvollen „Augen“ als bitte er ihn, er möge ihn nicht verlassen. Der Tod lebt durch die Seele, daher hat er Angst  vom Leben und nicht das Leben  von ihm. Er ist  deswegen  bestrebt  den  Menschen mit allen  möglichen  materiellen  Verlockungen an  das Leben zu fesseln, um selbst wie ein Parasit  weiter leben zu können. Die Heiligen sagen, wenn es einem Menschen gelingt sich vom Tod zu befreien bevor der Tod von ihm Besitz ergreift, was im Αllgemeinen beim Sterben-der der Fall ist, erleidet der Teufel furchtbare Qualen. Dieses „Sterben“  ist nicht metaphorisch, nicht hypo-thetisch, nicht symbolisch, sondern real wie es beim  physischen  Tod ist und  heißt bei den  Altvätern:  „Die Kunst des Sterbens“. Nur jene, die den Tod  im Leben  kennen, werden als  lebendig  betrachtet.  Der Heilige lebt mehr im Jenseits  als im Diesseits, wann immer er es wünscht.  In diesem  Sinne ist der Tod besiegt und verliert  seinen Stachel.                                     

Neben  dem  Totenkopf auf der Heiligen Schrift liegt ein Gelenkgebein  in der Form einer Keule, mit der Kain seinen Bruder Abel erschlug. Es symbolisiert die  Gewaltanwendung der Menschen untereinander, sogar im Namen  Gottes. In  Anbetracht  der  Lebenskerze  die immer  kleiner  brennt, werden  alle  unsere  täglichen

Kleinkriege  von der Unausweichlichkeit des Todes, der jeden Augenblick eintreten kann, bedeutungslos.

 

Seliger Domenico Barberi

 

   Er  war  der Gelehrte  unter den Heiligen  und Verfasser  theologi-scher Literatur.  Gott spricht zu den Menschen auf zweierlei Weise: Entweder direkt  über das Herz  zu den  „Einfachen  im Geiste“, die glauben  ohne  hinterfragen   zu  brauchen,  („ glaube  und  forsche nicht “)  oder indirekt  über  den  Verstand,  zu den  kompliziert  im Geiste  intellektuell  gesinnten  Gelehrten, die nicht  ohne  logische Beweise  glauben können, („ überprüft die  Schriften “).  Einfach im Geiste   sind  gutmütige  Menschen,   die  ein  kindliches  Vertrauen haben und daher empfänglich für die Botschaft Christi sind und für den   Glauben  keine  Beweise   brauchen.   Intellektuelle   dagegen können ohne  vernunftmäßig  verstanden  und logisch  bestätigt zu haben  nicht  glauben.  Sie  studieren  und  erforschen die Schriften durch  Schlussfolgerungen,  Exegesen  und Zitatvergleiche, so lange bis sie Handfeste „Beweise“ haben. Andererseits neigen Menschen die aus  Armut und  Charakterschwäche  glauben,  zum Fanatismus und zur Gewalt. Sie verdrehen Schriftenzitate  um ihre niedrigen Aggressionen gegenüber besser  gestellten Menschen  abzureagieren.  Wiederum  können  gebildete  Gläubige  die  Schriften  verstandesmäßig  besser erläutern.  Die andere Seite ist, dass ihre Interpretationen  oft so weit von auseinander  abweichen, dass  es zur Spaltungen  und Sektengründungen  kommt.  Noch wahrheitsgetreuer  können  aber  Heilige, durch ihre Vertiefung  in den Geist Christi,  seine  Botschaft  erklären. Nur  ein Prophet  kann einen anderen Propheten verstehen oder  wer dem Propheten  sehr nah  gekommen ist.  Je mehr  die Liebe  zu Christus wächst, desto besser  verstehen  wir  seine  Worte, was  das Umsetzen  in der Praxis möglich  macht. Die Intellektuelle Be-schäftigung verlangt aber Zeit, viel Zeit, welche  auf Kosten der uns  zugewiesene  Lebensspanne geht.  Das Leben ist Bewegung und Bewegung ist Zeit und die Zeit ist das wertvollste Kapital das wir haben,  zumal wir nicht wissen, wie viel uns  noch zum Leben bleibt. Wenn die Sanduhr abläuft, dreht man sie einfach um und die Zeit beginnt von neuem zu laufen. Die Zeituhr  unseres Lebens ist aber für einen einzigen  Gebrauch be-stimmt, daher ist  nur die obere  Hälfte mit  goldenem Sand gefüllt. Mit jedem  einzelnen Korn  das zerrinnt, zerrinnt unsere wertvolle Lebenszeit. Unsere  Lebensdauer ist zwar von Gott bestimmt, aber die Länge wird nicht an der Anzahl der Sandkörner gemessen, sondern wie schnell oder wie langsam sie die Uhr verlassen.  Je materieller wir leben, desto  schneller  vergeht  unsere  Zeit und  je geistiger  wir leben, desto langsamer  zerrinnen  die Zeitkörnen  und umso länger wird unser Leben  innerhalb der vorgegebenen Zeit. Aus Sekun-den können wir Stunden, Tage und Jahre machen. Die zerronnene Zeit fällt unwiderruflich und für immer in eine Leere ohne Wiederkehr. Sobald die Uhr abgelaufen ist, lässt sie  sich nie  wieder umdrehen. Die golde-ne  Farbe  des Sandes  deutet  auf  das wertvolle  Menschenleben  hin, welches  so zerbrechlich  ist, dass es   jeden  Moment  umkippen  kann.  Darum  steht die Sanduhr  auf  der Tischkannte, auf der  Kante zwischen  Leben und Tod. ‚Seid wachsam  mit Eurem Licht,  denn  der Bräutigam  kann zu  jeder  Stunde kommen  wie ein Dieb in der Nacht‘.  Unser Leben  kann ohne  jegliche  Vorwarnung  beendet werden, noch bevor wir es gelebt haben. Darum:  „Beeilt denn die Zeit naht“.

 

 

 

Engeln mit Leidensreliquien.                                                                                                                          

Die Engel mit den Marterinstrumenten  werden  üblicherweise  beiderseits  des Gekreuzigten  dargestellt.  Doch sie kommen  außerhalb  des Geschehens, weil sie dem Tod Christi vorausgegangen sind,  denn die Gedanken  gehen  den Taten  voraus. Bevor  sich das  Böse manifestiert, wird  der  Samen  von außen im Herzen gesät. Dort nistet es sich ein und wächst zu einer  giftigen Schlingpflanze heran, bis das Herz voll-kommen  verdunkelt wird. Vom Herzen aus sieht  aber die Seele die Welt, von dort lieben wir und von dort steuert das Gewissen unsere Handlungen.                                                                                                    Solange  Christus  als ein gutmütiger Träumer betrachtet  wurde, der zu den armen Fischern predigte und glaubte die Welt  verändern zu können, sahen die Mächtigen nichts was ihre Macht gefährden  könnte. Je beliebter  aber Christus unter die Menschen wurde und  nicht nur unter  die armen, desto mehr wuchs ihre Angst, sie  könnten  ihren Einfluss und damit ihr reiches  Einkommen  einbüßen. Die mächtigen  sind aber ohne  die mächtige Masse der Menschen, welche in der Mehrzahl primitiven Gemütes sind, selber macht-los.  Die Angst ist der fruchtbare  Acker des Bösen und  erzeugt  Unsicherheit, und  Verlust  der  Existenz-grundlage. Aus Angst werden die im Menschen  schlummernden  animalische Neigungen und die Überle-bensinstinkte an die Oberfläche gebracht. Also verbreiten  die Mächtigen  angstmachende Gerüchte über die drohende Gefahr die von einem Menschen, einer Gruppe,  einem Lande kommt  und propagieren sich dann  als die  einzigen  Retter. So  kam es, dass  jene Massen die kurz  zuvor  Christus, als den  Messias bejubelten, seinen Tod wünschten. Sie werden blind, taub und hartherzig gegenüber ihrem Wohltäter, weil ihr Herz von der Schlingpflanze des Bösen verhärtet wurde.                                                                          Bedingt  durch  den Umstand, dass  je ein  Engel pro Flügel  dargestellt  werden  könnten, ergab  sich der halbrunde obere Teil ideal für die Darstellung der heiligen  Marterreliquien Christi. Es würde genügen, den vorhandenen  Platz nur mit  den Reliquien, welche  zahlreich sind, auszufüllen. Die Symbole  allein darzu-stellen  schien mir zu wenig und zu dekorativ und würde vom  Zentralgeschehen fern und getrennt wirken. Es würde dem Geschehen der Kreuzigung Christ, die Unmittelbarkeit der  Dramatik fehlen. Also stellte ich zwei  Engeln dar, welche die Leidensreliquien  Christus wie  ein Geschenk  darbieten. Das  Leid Christi ist das Geschenk Gottes an die Menschen, aber nur wenige  Menschen nehmen  dieses Geschenk an. Es ist eine Frage  des Bedarfs, des Verlangens  oder des Hungers, sonst  gälte es  Perlen vor  die Säue werfen: „Das Licht  scheint in der  Finsternis  und die Finsternis  hat es nicht  begriffen“. Christus würde sich sogar für einen einzigen  Menschen opfern  wie der gute Hirte. Die Engel (Boten) tragen dieses blutige Opferge-schenk Gottes  an die Menschen mit großer  Bestürzung und  Widerwillen, wie ihre  Körperhaltung  verrät.

Der eine hebt den Kopf zum Himmel als wollte er fragen,"warum mein Gott?"und der andere senkt seinen

Kopf als Zeichen des Gehorsams gegenüber seinem Willen.

 

 

 

                                                      Der Passionsweg     

                                                                                                                                                                           Die Jubiläumsikone  für den Passionistenorden aus Maria Schutz  anzufertigen begann etwa so, wie die Geschichte des  hl. Christophorus. Ihm war  keine Last  zu schwer, solange er  Menschen über  den Fluss tragen musste; bis er  eines Tages einen kleinen, scheinbar  federleichten Knaben  über den  Fluss tragen sollte.Während des Überquerens wurde er immer schwerer, dass er in der Mitte des Flusses - dort, wo die Strömung am stärksten war - unterzugehen drohte. So schwer war das Kind  inzwischen geworden. Als er endlich und mit großer Mühe das andere Ufer erreicht hatte war das Kind, welches sich als Christus zu er-kennen gab, wieder federleicht und Christophorus heilig geworden!

  So unbeschwert und leicht - wie unter Freunden - verlief die erste Begegnung mit Pater Dr. Anton Lässer am  7 März 2018  im Quo-Vadis-Haus  in Wien. Es ging  um ein  Jubiläumstriptychon  anlässlich  des 300-jährigen  Jubiläums (720-2020) seit der  Gründung des Ordens  durch den Hl. Paul von Kreuz. Was nichts anderes als  ein weiterer  Ikonenauftrag zu sein schien, enthüllte sich nach und nach zu einem seelischen und  später zu  einem spirituellen  Leidensweg, zu einer wahren Passion. Die vordergründigen  Schwierig-keiten bestanden darin, aus verblichenen Malereien und unscharfen Photographien Ikonen zu malen, statt nach genauen und exakten Vorlagen, wie es die Tradition vorsieht. Weiters handelte es sich um einen mir gänzlich unbekannten Orden und  damit um Heilige, zu denen ich  keinerlei Bezug hatte. Während ich mit den Skizzen und der Art der Darstellung beschäftigt war, wurde mir langsam die Tragweite der Verantwor-tung, die auf mich lastete  immer bewusster. Es sollte eine Ikone für einen  kontemplativen Orden werden, welche nach  einer  Reise  zu allen  Niederlassungen  um  den Globus  in der  Wallfahrtskirche  von Maria Schutz  zur Verehrung  aufgestellt werden würde. Es war also nicht  eine x-beliebige Ikone für das Schlaf- oder Wohnzimmer eines frommen Gläubigen.

 

Über die technischen Schwierigkeiten und darstellerischen Probleme, die wie dunkle Wolken am Horizont aufsteigen würden, konnte ich noch nichts ahnen.

   Das von mir gegebene Versprechen, die Ikone rechtzeitig fertig zu stellen (Ende August 2018)  setzte zwei  Ikonenmaler  voraus, mich und meine Frau, die daran arbeiten würden. Bereits mit der Verzögerung  des Triptychons  durch  den  Kirchenholzschnitzer 

begannen die Probleme. Nichts wollte klappen;Fehler welche nur blutigen Anfängern unterlaufen können und  unerwartete Pannen technischer Natur verhinderten das Vorankommen. Es schien so, als hätten sich alle  dunklen Mächte gegen die  Fertigstellung der Ikone verschwört, so sehr, dass wir  mit der Überlegung spielten, aus dem Vertrag  auszusteigen. Das konnten wir aber auch nicht machen, denn die Zeit einen anderen Ikonenmaler zu finden, der in so  kurzer Zeit  das Triptychon  anfertigen  würde, war  äußerst knapp. Der Gedanke  jedoch, dass nur  das Böse an dem Schei-tern Interesse und Vorteil hätte,ermutigte uns der Versuchung zu widerstehen.Schließlich sind wir weder allein noch hilflos den ne-gativen Kräften  ausgeliefert, solange wir  auf Gott, den Schöpfer und Herrscher über alle Mächte bauen und mit ihm rechnen. Entmutigung,  Enttäuschung,  Traurigkeit, Depressionen, Sorgen, Unsicherheiten und Ängste, sind die Tricks des Bösen, den Men-schen durch  die ständige  Beschäftigung  mit der  dunklen Seite  seiner Seele, Gott vergessen zu lassen. Auf dieser Weise  hätte der Böse ein leichtes  Spiel gehabt, die Menschen  dorthin zu lenken  wohin er es wollte. Nach den Lehren der Altväter ist Angst die größte Sünde, denn es bedeutet kein Vertrauen zu Gott haben. Der Mangel  an Glauben  erlaubt  es dem  Teufel  Gott aus  unserem  Herzen zu  verdrängen. Das macht er entweder mit materiellen Verlockungen,die in uns ein vorübergehendes Scheinglück erzeugt (mit Zucker übergossenes Gift), oder indem er in der „Gestalt der Engel des Lichts“, in Visionen erscheint. Der Preis dafür ist Schmerz und Unglück, sowohl bei den einfachen Gläubigen als auch bei den Heiligen. Aller materiellen  Gaben, ob irdisch  oder  himmlisch  hinterlassen  Leid, Schmerz und Unglück. Nicht  weil  der Teufel „böse ist“, schließlich gibt er  den Menschen  alles was  sie sich  wünschen. Der Teufel  ist bloß der „Verwalter“ dieser Welt, die von Gott für die gefallenen Menschen als Reinigungsort geschaffen wurde. Er versuchte sogar, Christus  in der  Wüste mit Reichtümern  und Ehren  für sich  zu gewinnen. Leid und Un- glück,die den Menschen heimsuchen sind die Folge materieller Wünsche, die aus dem starken Verlangen nach Glück  entsteht. Das Verlangen  nach Liebe, nach Wohlstand, Ruhm  und  Anerkennung, mit rechten und  falschen Mitteln zu erlangen  und die Angst, sie wieder  zu verlieren, erzeugt  starke  Gemütsfesseln. Der Versuch diese Gaben mit rechten und falschen Methoden zu beschützen, führt uns zu einer oft krank-haften  Besitzergreifung. Dadurch werden wir  zu Sklaven der  vergänglichen Materie, verlieren wir unsere Seelenfreiheit, entfernen wir  uns von  Gott  und huldigen, ohne uns dessen  bewusst zu sein  dem Teufel. Die Liebe  sowohl zu den  Menschen als auch  zu den Gegenständen,  bedingt  durch die  Vergänglichkeit dieser materiellen Welt welche unbeständig ist,unterliegt der Veränderung, dem Verfall und dem Tod. Das darauffolgende Leid ist nur eine Frage der Zeit,unwiderruflich und vorprogrammiert. Deswegen empfinden wir den Verlust  des Glücks  ähnlich dem eines  gewaltsamen Todes  oder eines Stachels  im Herzen. Das darauffolgende  Leid  zwingt uns  aber über  das  Warum und Wofür  des  Lebens  nachzudenken, bis  wir irgendwann die Vergänglichkeit und  Sinnlosigkeit des bloßen materiellen  Strebens erkennen und uns auf Gott  hin ausrichten. Nur in der Not, wenn  weder die eigene  noch die Hilfe  anderer  uns  helfen  können, wenden wir uns  Gott zu  nach dem Spruch: „In Zeiten  der Not  werden die Kirchen voll  und in Zeiten des Wohlstandes werden sie leer“, wenn man aber „Gott in Zeiten des Glücks nicht vergisst, vergisst er einem in Zeiten der Not nicht“. Manchmal hat der Teufel so ein leichtes Spiel mit den Menschen, oft zu leicht, wie beim  Faust  von Goethe. Die  Menschen, beschwerte er  sich  bei Gott, machen es  ihm so leicht, dass er sich mit  ihrer Unterwürfigkeit  langweilt  und er verlangte  nach einem, der ihm Widerstand leistet!  Als der

hl. Antonius, der  vom Teufel mit allen Mitteln versucht wurde, endlich in den Himmel aufstieg, rief ihm der Teufel nach: Antonius, du hast mich besiegt. Nein, antworte dieser, du bist stärker als ich.  Als er weiter in den Himmel hinaufstieg, rief ihm der Teufel  nochmals nach, Antonius, du hast  mich besiegt. Nein antwor-tete  abermals Antonius, du bist immer noch der stärkere. Als Antonius schon  vor dem Himmelstor stand, antwortete er: Ja, jetzt habe ich dich besiegt, denn: „Hochmut kommt vor den Fall" .                                    Der Teufel ist also kein böser Dämon, sondern ein strenger und gerechter Lehrer. Er lässt niemanden aus seiner  Schule  entkommen, der nicht alle Tugend- Prüfungen bestanden hat. Das Leid der Heiligen ande-rerseits  entsteht aus der Trennung  der Seele von Christus  und dient der Stärkung  des Verlangens nach ihm. Dieser Schmerz  dauert solange an, bis sie  die vollkommene Vereinigung  mit dem Geliebten erlangt haben. Dieser Schmerz  wird  von  immer sich steigernden  ekstatischen  Glückserlebnissen begleitet! Die heilige  Thérèse  von  Lisieux  hatte  viele wunderbare  mystische  Erfahrungen  mit  Christus. Als  sie  ins Kloster  eintrat, wurde sie  sehr streng  behandelt, erkrankte  schwer, verlor alle  mystischen Visionen und lebte in der  „Nacht der Seele“  das Schlimmste  was einem Mystiker  passieren  kann. Einmal rief sie ver-zweifelt von ihrem Krankenbett aus zu Christus: „Was willst Du noch von mir, warum quälst Du mich, willst du  mich denn  umbringen?“  „So behandle ich  meine Freunde“  antwortete  Christus. „Darum hast  Du so wenig Freunde“ antwortete Thérèse glücklich, weil die geistige Verbindung wiederhergestellt war.               Wenn aber Gott  der Herr über alle Mächte ist, kommt  dann nicht alles was kommt, von ihm?  Hat er nicht alles mit Weisheit  geschaffen und  gesehen, dass  alles  gut  war? Kennt er  nicht  Anfang und Ende aller Dinge und ist nicht alles gerecht,was von ihm ausgeht? Woher kommt dann all das Leid in der Welt, wenn nicht durch  unsere Abkehr von ihm? Je weiter wir uns  vom Licht entfernen, desto mehr Dunkelheit ist um uns. Der Teufel ist der Antipode von Gott und existiert,weil wir ihn durch die Zuwendung unserer Aufmerk-

samkeit „ernähren“.  Es waren also keine dunklen Mächte  und kein Teufel am Werk, die uns Böses antun wollten, sondern es war Gott, der unseren Glauben prüfen wollte.  Es ist alles eine Frage des Verlangens, denn wohin die Aufmerksamkeit gerichtet ist, dorthin gehen wir, wo unser Herz ist, dort sind wir auch.

 

   Die  Schwierigkeit, realistische  Vorlagen ikono-graphisch umzusetzen und der Umstand,dass ich und meine Frau  ganz verschieden  malen, führte uns zu  dem  Entschluss, dass  nur einer,  also  ich alleine  das  Triptychon  anfertigen  sollte.  Damit begann mein  Passionsweg, denn  ich musste mit den mir noch nicht vertrauten Heiligen in Verbin-dung treten, mich mit ihnen identifizieren, sie für mich gewinnen, um empfänglich für ihre Hilfe zu werden.  Schließlich  musste  ich  in  den  mir ver-bliebenen  drei  Monaten  die Ikone  fertigstellen, was  nach  menschlichem  Ermessen  unmöglich war. Dazwischen  kam  eine  seit  einem Jahr geplante  Ausstellung  in  der  St. Michael  Basilika  in Mondsee  anfangs Juli,die wir nicht verschieben konnten. Zum Glück hatte ich einen geräumigen Raum im Oratoriums-geschoss  zugeteilt erhalten, wo ich  ungestört  arbeiten konnte.  Was Besseres hätte mir  andererseits nicht passieren können, als die Ikone in einer Kirche zu malen! 

Der tägliche Gang durch das Kirchenschiff führte mich an einem Seitenaltar  vorbei  mit  einer  übergroßen  Holzskulptur  des ge-geißelten  Christus. Der sehr  realistische  leidvolle  Gesichtsaus-druck  nahm mich  so sehr  gefangen, dass ich glaubte,  Christus spräche mit mir.  Beim Betrachten  dieser Skulptur  erfüllte mich ein tiefes Mitleid  für die Schmerzen, die Christus unseretwegen erleiden  musste und  anscheinend  noch  immer  erleiden muss. Bald  aber  wurde  mir bewusst, dass  nicht ich, sondern dass es Christus  war der  mich voll  Mitleid  betrachtete  und für meine Sünden  litt! Er leidet nicht auf Grund  der Folterungen die er er-litten hat, sondern  aus tiefem Mitleid für meinen bemitleidens-werten Zustand. Seine Schmerzen sind meine Schmerzen, die er auf sich nimmt.  Es war so, als wollte er sagen:  „Siehe, wie sehr ich für Dich  leiden muss“.  Der Gedanke,  dass Christus so lange leiden würde, bis wir nicht erlöst sind,weil wir nicht nach seinen Geboten leben.  „Siehe, ich bin  bei Euch  bis an  der Welt Ende“ hat in mir ein kleines Erdbeben ausgelöst.     

    Ich war  also daran  Heilige  abzubilden  (Ikone bedeutet  ja heiliges Abbild), welche diese schmerzvolle Botschaft vernommen und danach gelebt hatten.Sie liebten Christus, weil er aus Liebe zu ihnen weit mehr gelitten hat und versuchen nach Paulus,durch ihr Leiden ein wenig vom Leid Christi sein Kreuz täglich auf sich zu nehmen (vgl. Kol 1, 24). Um leiden zu können, müssen sie ihn lieben, was nur durch das Befolgen seiner  Gebote  möglich ist. Das ist aber  ein Passionsweg, denn Christus  verlangt  von uns  nicht  nur zu glauben, dass er der Sohn Gottes sei, sondern  „vollkommen gleich wie der Vater  im Himmel vollkommen ist“ zu werden. Sie können Christus nur dann wirklich lieben,wenn sie nichts anderes im Herzen haben als ihn allein,was zu einer vollkommenen Selbstverleugnung führt. Diesen Zustand nennt man mystische Ver-mählung  der Seele mit Gott. Aber je  mehr  sie Christus lieben, desto mehr leiden sie  unter der Trennung von ihm,  denn  diese  Vereinigung  hat keine Grenzen! Im Hohen Lied  Salomons, werden die Trennungs-qualen der Seele  von Gott  mit den  Schmerzen  einer liebenden  Braut  verglichen, welche sich nach der Vereinigung mit ihrem Bräutigam sehnt. Aber ähnlich beschreibt Johannes von Kreuz den Schmerz seiner Braut-Seele,nach der Wiedervereinigung mit dem geliebten Christus. Er vergleicht den Zustand der Seele mit einem Hirsch, der vom Pfeil des Jägers verwundet ist. Diese allegorischen Liebeslieder sind unter den orientalischen  Dichtermystikern  eine beliebte Gebetsform. Jene Heiligen, welche vom Liebespfeil Christi verwundet sind, sprechen vom „göttlichen Eros“. „Unruhig ist mein Herz bis es ruht in Dir mein Gott“ betet der hl Augustinus. Nur solche Gottverliebten können nach den Geboten Christi leben.„Wenn Ihr mich liebt, haltet meine Gebote“. Sich vollkommen zu verleugnen  und für Christus leben  verlangt sich selber täglich zu kreuzigen. Das Bezwingen der Leidenschaften, das Korrigieren aller Fehler, vor allem  Christus ständig im Herzen zu haben, ist wahrlich  eine Kreuzigung, so lange bis die Seele ihren Frieden „in Gott gefunden hat“. Diese Kreuzigung ist der Preis für die Liebe, der Nährstoff für den Glauben und das Reinigungsfeuer für  die Seele, sowohl im  Diesseits  als auch  im Jenseits. Die irdische Liebe  erniedrigt die Seele, weil sie durch ihre Identifikation mit dem sterblichen Körper, statt Gott, den Verfall liebt. Das sinnliche Glück ist be-grenzt und verursacht unsägliches Leid, weil es der Veränderung,dem Verfall und dem Tod unterliegt. Der brennende Schmerz der Liebe gleicht dem Verbrennen der Motte im Licht.

Als zehnjähriger  Junge verliebte ich mich in eine zwanzigjährige Lehrerin. Einmal umarmte sie mich, küs-ste mich,indem sie das bekannte Hirtenlied sang:„Du bist zu jung um den Schmerz der Liebe zu ertragen“ und verschwand  für immer aus  meinem Leben. Die Liebe der Menschen zueinander  und zu den Gegen-ständen wird  deswegen von den Altvätern nicht Liebe, sondern leidvolle Bindung bezeichnet, welche zer-stört und verbrennt. Die größte Freiheit ist die Abhängigkeit von Gott, heißt es, denn „Gott dein Herr ist ein eifersüchtiger Gott“  und duldet  niemanden neben sich, denn  die Seele ist sein. Die Seele  sehnt sich nur nach Gott  und kann  mit keiner  anderen Art der Liebe glücklich sein. Die Liebe des Menschen verursacht immer Leid, es sei, sie geht über die Liebe zu Gott.  Auf diese Weise  „filtert Gott“  die Liebe von allen Un-reinheiten  und  entfernt den  Stachel des Todes. Die Welt  ist ein Jammertal  und  das Leben ein einziges Leiden, schreibt  Arthur Schopenhauer.  Nur wenn  wir  uns Gott  so anvertrauen  wie das  Kleinkind der Mutter, sorgt er, dass wir wie die „Blumen auf dem Felde und die Vögel am Himmel“ leben. Niemand kann aber den  abstrakten, unsichtbaren, absoluten Gott lieben, denn  das Endliche  kann das Unendliche nicht erfassen und  das Sterbliche das Ewige nicht verstehen. Wäre dies möglich gewesen, wäre seine Fleisch/ Inkarnation/ Menschenwerdung in Christus  und seine grauenvolle Kreuzigung nicht notwendig gewesen. 

    Darauf basiert die Berechtigung  und Notwendigkeit der Ikone. „Niemand kommt zum Vater denn durch mich (die Ikone Gottes)“. Heilige sind  jene, deren Liebe zu Gott  so stark ist, dass sie  bedingungslos den mühseligen und leidvollen Weg Christi gehen; entsagen allem, verlassen alles, verleugnen sich selbst und werden eins mit ihm,denn „sein Weg ist steil und die Tür zu ihm schmal“.Sowie niemand zu Gott gelangen kann  als nur  durch den Sohn, kommt keiner  zum Sohn denn durch die Heiligen. Der griechische Schrift-steller Nikos Kazanzakis  (Alexis Sorbas, Franz von Assisi, die griechische Passion Christi) beschreibt in seinem  autobiographischen Roman, „Rechenschaft  an El Greco“ während seiner  asketischen Zeit in der Wüste  Sinai  seinen  Kampf  mit Gott so: „Gott du bist ein Berg  aus Granit,  jeder der zu Dir will, zerbricht daran“ oder: „Gott du bist ein Scheiterhaufen, jeder der sich Dir nähert, verbrennt dabei“. Am Ende seines Lebens schreibt er: „Gott, ich habe Dich ein Leben lang  gesucht und nicht  gefunden, werde aber nie auf-hören, Dich zu suchen“

So ist es verständlich,  warum die meisten  Christen den Weg  zu Gott über die Muttergottes und die Heili-gen suchen.  Während die  Heiligen Prüfungen, Leid, Krankheiten, Erniedrigungen usw. dankbar  auf  sich nehmen, beten dagegen  die Gläubigen  zur  Mutter  Gottes  und  den Heiligen  um genau  das Gegenteil: Heilung von Krankheit, Wohlstand, guten Noten für die Kinder, Arbeit und Begünstigungen aller Art. Sowie Christus den Heiligen den Vater zeigt, zeigen uns die Heiligen Christus. Wollen wir zum König, so geht es leichter  über einen  Minister oder durch  jemanden, der dem  Minister  nähersteht. Auf  die gleiche  Weise suchen wir im täglichen Leben  die Gesellschaft von Menschen, welche unsere Bedürfnisse und Wünsche befriedigen. Nach solchen  Menschen verlangen wir, diese Menschen bewundern, verehren, himmeln  wir an, lieben und  suchen ihre Nähe. Sie werden  unsere Ikonen, ob sie nun  Wohlhabende, Politiker, Schau-spieler oder  Popstars sind. Jeder Mensch  hat eine vorherrschende Leidenschaft und die vorherrschende Leidenschaft  der Heiligen  ist Gott. Sie gehören  zu jenen Auserwählten:  „viele laufen mir nach und rufen Herr, Herr, wenige  sind aber jene, die mir nachfolgen“. Auf die Frage:  Warum nicht  alle Menschen  heilig werden können, also mit  den gleichen Talenten  des Glaubens  ausgestattet, antwortet  Christus  mit dem Gleichnis über  die Talente. Es gab einen Geschäftsmann, der, bevor auf Reise ging, dem einen Diener 5, dem  anderen 10 und dem dritten 20 Talente  zum Verwalten gab. Als er zurückkam hatte der eine aus 20 Talenten 40  erwirtschaftet, der mit 10 hatte 20  erwirtschaftet, aber der  dritte versteckte die 5 Talente aus Angst sie zu  verlieren, woraufhin der Kaufmann ihn entließ. Variante 1: Der Herr der seine Diener kannte, wusste wie viel er einem jeden anvertrauen würde und wie viel Last und Verantwortung ein jeder einzelne tragen konnte. Er war gerecht und wollte dem schwächeren eine Chance geben ohne aber sein Kapital zu riskieren.  Variante 2: Der Herr wollte  wissen, welcher seiner Diener  das kaufmännische Talent hatte, um ihm sein  Unternehmen  anzuvertrauen. In beiden  Varianten handelte er  richtig und belohnte einen jeden nach dessen Fähigkeiten,etwas was ein jeder Geschäftsmann tun würde.Somit schließt sich der Kreis der Liebe. Christus, heißt es, gab sein Leben als Pfand für unser Leben, um uns von der  Gefangenschaft des Todes zu befreien: „Lasset die Toten  die Toten begraben“/ der Finsternis,  „ich bin das Licht der Welt“ /der Unwissenheit,  „ich bin die Wahrheit“/ und  des Irrweges, „ich bin der Weg“.  Nach den  Altvätern  ist diese Welt verglichen mit dem Paradies ein Ort der Finsternis und des Todes. Nach den antiken Philosophen ist die Welt  eine Illusion, weil sie, als etwas  Geschaffenes, also nicht Wirkliches, ein Spiegelbild  (Reflexion) des  Originals ist. Für den  Philosophen  Plato ist sie eine Schattenwelt, wie er es im Höhlengleichnis ver-deutlicht. Wir stehen  am Eingang  einer Höhle mit dem Rücken zum Licht und identifizieren uns mit unse-rem eigenen Schatten an den Höhlenwänden und sind selbst zum Schatten geworden.

Zar Peter der Große  ging als Arbeiter  verkleidet nach  Holland, um  die  Kunst  des Schiffbauens  zu lernen. 

Dort, so erzählt  eine  Legende, arbeiteten  in den Schiffswerken  einige im  Exil  lebende Russen.  Einige von ihnen beklagten ihr Los fern der Heimat zu sein und sprachen immer davon. Der Zar hatte Mitleid mit ihnen und versprach sie in die Heimat zurückzubringen,denn er habe Beziehungen zum Zaren.Die meisten konnten nicht glauben, wie einer gleich ihnen, Beziehungen  zum Zaren haben kann,  zumal sie vom  Zaren selbst aus der Heimat  vertrieben wurden.  Der Zar versicherte ihnen, dass er dafür sorgen werde, dass sie rehabilitiert würden. Einige deren Sehnsucht  nach der Heimat  so groß war  und die nichts  zu verlieren hatten, glaubten und  folgten ihm. Als  sie am  Zarenhof  ankamen, bat er  sie  zu warten. Als  sie  in den Palast  hineingeführt wurden, erkannten sie  auf dem Thron ihren  „Kollegen“  und waren glücklich, dass sie  geglaubt hatten. Mit dem Leidenstod  Christi verhält es sich  etwa so, wie jemand  der auf Grund  einer großen Verfehlung ins Ge-fängnis kommt  und einer  der Mitleid  mit ihm hat  eine große  Summe als Garantie  hinterlässt, um ihn aus dem Gefängnis zu holen.  Der Befreite  verpflichtet sich aber, diese Kaution  nach und nach  zurück zu zahlen sonst  würde  sein  Wohltäter  an  seiner  Stelle  bestraft  werden.  Das  Pfand  Christi war sein leidvoller Tod; solange wir  nicht  unser Versprechen  halten, zu dem wir uns  bei der Taufe, den heiligen  Sakramenten  und dem Glaubensbekenntnis  verpflichtet  haben  und solange wir unser  Versprechen, nach  seinen  Geboten zu leben , noch  nicht  eingelöst  haben,  wird  er  weiterhin  den  leidvollen  Kreuzestod  sterben.  Welch schrecklicher Gedanke, wenn wir überlegen, wie wenig das uns kümmert!  Hinter der Aussage,  „wen Gott liebt, den quält er“,  steckt eine  verborgene Botschaft.  Die Gabe  der Heiligkeit  ist  eine  Leihgabe Gottes  den Menschen gegenüber. Es sind nicht die Heiligen die helfen, sondern Gott in ihnen „Nicht ich lebe“ sagt Paulus,  „sondern  Christus lebt in mir“. Je  fähiger ein Schüler ist, desto mehr  Prüfungen legt ihm  der  Lehrer auf,  nicht um  ihn zu quälen, sondern um  ihn noch  besser  zu machen. Auch  wenn die Heiligen  in einer Höhle  fern  der Menschheit  und unbekannt  leben, bleiben  die  Gaben  der  Heiligkeit nicht  bei ihnen. Da Gott  in jedem  Menschen wohnt, sind alle  miteinander  durch Gott  verbunden und beeinflussen  einander. In diesem Sinne, alles was  ein Mensch denkt,  spricht oder handelt, ob gut oder schlecht, bleibt nicht bei ihm allein, sondern überträgt sich auf jeden Menschen. Nicht nur das, sondern alles  kommt  irgendwann, auf Grund  der  Gottesverbundenheit,  auf  irgendeine Weise auf uns zurück. „Wenn  ein  Blatt vom  Baum fällt, löst es auf  der anderen  Seite der Erde  ein  Erdbeben aus“, sagt eine indianische  Weisheit. Also niemand  lebt für sich  allein: „Zeige mir  deinen Freund und ich sage dir wer du bist“. Wir sollen also jene Menschen zu Freunden machen,  die uns Gott näherbringen und unabhän-gig  davon, ob  sie  lebendig  oder  tot  sind. Heilige  sind  aber  niemals  tot, sie  sind  lebendiger  als wir „Lebende“.Sogar die Reliquien der Heiligen sind lebendig, weil sie ihre heiligen „Informationen“ tragen, wie wären sonst Wunder und Heilungen möglich? Aber die Heiligen sind nicht unsere Diener; sie dienen nur  Gott  und  automatisch  allen  jenen, die nach der Liebe Gottes streben. Sie werfen ihre Perlen nicht vor die Säue, denn die Säue werden sie im Schlamm zertrampeln

  Das Gewicht  der Verantwortung  lastete  auf mir

wie  ein  bleiernes  Kreuz, das ich  allein und ohne die Hilfe  der Heiligen  nicht tragen würde können. Die Tage verflogen  immer  schneller bis ein Punkt kam, wo  ich keine Zeit mehr  hatte, um zu überle-gen oder  nachzudenken. Ich überantwortete mich den Heiligen  und  arbeitete  ohne  nachzudenken oder  zu  überlegen, noch  mir Sorgen zu machen. Ich  machte  mir  auch  dann keine Sorgen  wegen der  Zeitknappheit,  als  immer  mehr  Motive  und Symbole  dazu  kamen. Ich  folgte  einfach  einem inneren Zwang  und zugleich  wurde ich von  einer Ruhe  erfüllt, als  bewegte ich mich in einem luft-leeren Raum. Immer mehr  Darstellungen fügte ich hinzu, welche weder von mir verlangt noch von mir geplant waren. Die dutzenden Skizzen  und Zeichnungen die ich gemacht hatte waren  unbrauchbar, denn ich improvisierte  immer aufs  Neue und alles  fügte sich auf  wunderbare Weise zusammen. Ich hatte mich  zwangsweise  überlassen und  meine Hand wurde einfach  geführt, ohne  mir  dessen  bewusst  zu sein. In den  letzten  Wochen  arbeitete  ich  täglich bis lang nach  Mitternacht ohne müde zu werden, denn es  war eine süße Müdigkeit  wie in Trance. Es war ein glückseli-ger Leidensprozess und obwohl die Zeit verstrich, übermalte ich und veränderte viele Darstellungen so oft bis  sie  zufriedenstellend  waren,  ohne  unbedingt  auf die  Unterlagen  zu achten. Ich  war froh, dass Dr. Lässer mir vertraute  und mich lange nicht nach dem Fortschritt  der Ikone fragte  und es dann doch eines Tages tat. Er fragte, mich ob ich mit dem Triptychon rechtzeitig fertig  werden würde. Ich antwortete, nach  menschlichen Ermessen nicht, aber es lag nicht an mir, sondern  an den Heiligen, die mich  forderten und  lenkten. Also würden sie dafür sorgen, dass ich rechtzeitig fertig werde. Zum  Schluss stellte  sich heraus, dass  alle  Verzögerungen, Pannen, Fehler und Korrekturen ein Segen waren, denn ohne  diese wäre das Triptychon  nicht  so  geworden, wie es am Ende dann doch geworden ist. Ich war  innerlich so unbeteiligt, dass ich selbst erstaunt war, die Arbeit doch fertig gestellt zu haben. Ob es gut war konnte ich nicht  beur-teilen, auch wenn  es allen gefiel. Ich war  während der ganzen  Zeit so nach innen „vergessen“, dass ich  selbst kein Urteilsvermögen mehr hatte und mir keine  Meinung  bilden  konnte. Ich wunderte mich  sogar  über meine  gefühlsmäßige Abwesenheit, denn keine Freude wollte aufkommen. Wahrscheinlich  war die  innere  Teilnahme  während  des  Vorganges  so  groß, dass  es  mir  die  Gemütsbeteiligung  verhinderte. Inzwischen  war  es  mir  bewusst geworden, dass alle die  Hindernisse und Schwierigkeiten nicht auf das Eingreifen böser Mächten zurückzuführen war, sondern eine Gnade Gottes.

 

 

                                                                                                   Loukas Seroglou, Wien 18 November 2018